Jérôme Champagne for FIFA-Präsident

Sepp Blatters Ende – die Chance für Jérôme Champagne?

Die nächste EM 2020 findet in ganz Europa statt - allerdings nicht von der FIFA, sondern von der UEFA organisiert.
Die nächste EM 2020 findet in ganz Europa statt – allerdings nicht von der FIFA, sondern von der UEFA organisiert.

Im Jahr 2015 endet die Ära von FIFA-Präsident Sepp Blatter. Blatter ist erst im Mai 2015 im Amt als FIFA-Präsident bestätigt worden – doch die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnet am 24. September 2015 ein Ermittlungsverfahren gegen den Präsidenten. Es geht dabei um den Verkauf von Fernsehrechten unter Marktwert und andere fragwürdige Zahlungen – unter anderem an den später verhafteten Michel Platini.

Auf einer am 25. September einberufenen Pressekonferenz – nach einer zweitägigen Sitzung des FIFA Exekutiv Komitees – wollte Blatter zu den Anschuldigungen Stellung nehmen, doch die PK fand nicht statt. Stattdessen erklärte Blatter drei Tage später, dass er trotz des Ermittlungsverfahrens Präsident bleiben wolle.

Jerome Champagne : Photos taken at Play the Game 2011 by conference photographer Tine Harden, Jérôme Champagne, CC BY-SA 2.0

Doch es kam anders. Am 8. Oktober 2015 sperrte die FIFA-Ethikkommission den Präsidenten als Folge des laufenden Strafverfahrens. Am 21. Dezember 2015 wird die Sperre auf eine Dauer von acht Jahren festgesetzt. Im Anschluss daran werden Neuwahlen anberaumt, um einen Nachfolger für das Amt des FIFA-Präsidenten zu finden. Die FIFA befindet sich zu dieser Zeit wegen des Korruptionsverdachts auf allen Ebenen in der Öffentlichkeit stark in der Kritik. Als Ausrichter der FIFA-Weltmeisterschaften ist dieser Verband einer der wichtigsten Sportverbände der Welt. Ebenso wird die FIFA-Fußball-Weltrangliste erstellt und veröffentlicht.

Insgesamt vier Kandidaten geben ihre FIFA-Kandidatur für das Präsidentenamt bekannt – sie treten an, um das Bild des Weltverbands wieder aufzupolieren. Die Kandidaten sind schon bei der Präsidentenwahl im Mai 2015 als Gegenkandidaten zum damals im Amt bestätigten Sepp Blatter im Geschäft.

Unter den Kandidaten befindet sich der französische Kandidat Jérôme Champagne, der zuvor bereits als FIFA-Generalsekretär tätig gewesen ist. Eine wichtige Frage zur Zeit der Suche nach einem neuen Präsidenten betrifft die Teilnehmerzahl bei FIFA-Weltmeisterschaften. Der Franzose Jérôme Champagne spricht sich als einziger Kandidat gegen eine Ausweitung der WM aus. Es sei „bereits sehr kostspielig, kompliziert und politisch sensibel, eine WM mit 32 Teilnehmern zu organisieren“, begründet er damals seine Haltung. Die nächste WM 2022 in Katar wird noch mit 32 Teams stattfinden.

FIFA-Kandidatur – Wer ist Jérôme Champagne?

Das Kampagnen-Motto des französischen Kandidaten Jérôme Champagne lautet: Hoffnung für den Fußball. In einer Zeit, wo der Fußball sowie der Planet und die Gesellschaft unter Ungleichheit leidet, müsse eine bessere Kontrolle über die Globalisierung des Sports hergestellt werden, heißt es in der Mitteilung des Kandidaten zu seiner Bewerbung. Jérôme Champagne tritt an, um für eine starke, demokratische, respektierte und proaktive FIFA zu arbeiten, sodass jeder vom schönsten Spiel der Welt profitieren kann.

Das sechsseitige Programm von Jérôme Champagne gibt es auf Scribd zum Download – dieses Programm erscheint im Vorfeld der Wahl zum FIFA-Präsidenten im Mai 2015: https://de.scribd.com/document/200935948/lettre-allemand-rvb-pdf#download&from_embed

Die Bewerbung des Kandidaten Champagne konzentriert sich darauf ein neues Gleichgewicht im globalen Fußball des 21. Jahrhunderts herzustellen. Um seine FIFA-Kandidatur und seine Anliegen nach vorne zu bringen, gibt der langjährige Fußballfunktionär viele Interviews, taucht in Medienzentren der FIFA auf und sucht die Nähe zur Presse. Bei diesen Gelegenheiten, sowie bei den vielen offiziellen Anlässen der FIFA, berichtet er außerdem gut gelaunt von seiner Zeit als Fußball-Fan.

In einem Interview in DIE WELT stellt Jérôme Champagne seine Analysen und Konzepte einer deutschsprachigen Öffentlichkeit vor – „etwas läuft falsch im Fußball“. Jérôme Champagne verteidigt einerseits die Arbeit seines Vorgängers Blatter – etwas pikant, weil dieser gerade erst nach einem Korruptionsskandal rausgeworfen wurde – und kritisiert unter anderem seinen Mitbewerber und späteren FIFA-Präsidenten Gianni Infantino.

Der Tageszeitung DIE WELT erklärt Jérôme Champagne was seiner Meinung nach im aktuellen Fußball falschläuft: „Noch 1991 gewann Roter Stern Belgrad den Europapokal der Landesmeister, 1995 war es Ajax Amsterdam. Können Sie sich vorstellen, dass so etwas noch mal passiert? Nein, denn der Fußball hat – gerade in Europa – seine Unvorhersehbarkeit in Sachen Resultate verloren. Real Madrid schlägt Malmö 8:0; da läuft doch etwas falsch.“

Bei diesen neueren Entwicklungen im Fußball ist Jérôme Champagne bereits in verantwortlicher Position als Generalsekretär (2005-2010) mit von der Partie. Allerdings hat Champagne wenigmit den finanziellen Machenschaften der FIFA zu tun, die so oft Anlass zur Kritik bieten. Champagne ist aber zu seiner Zeit beim Weltverband FIFA mitverantwortlich für gute Beziehungen zu Spielern, Klubs und den beteiligten Kontinental- und Nationalverbänden.

Trotz Jérôme Champagnes Vorgeschichte bei der FIFA und seinen Verbindungen zum vorherigen Präsidenten Blatter, gilt er als ein unabhängiger Kandidat. Als solcher gilt er nicht zuletzt, weil er sich bereits während seiner FIFA-Zeit intern gegen das herrschende System der FIFA positioniert. Ein solcher FIFA-interne Konflikt führt im Jahr 2010 dazu, dass Jérôme Champagne von der FIFA entlassen wird.

Auslöser ist der Umstand, dass der Präsident des indonesischen Fußballverbandes im Gefängnis sitzt und von dort die Verbandsgeschäfte erledigt. Jérôme Champagne will erwirken, dass der indonesische Präsident abgesetzt wird. Dies wird allerdings nach längerem politischen Kampf von anderen FIFA-Funktionären verhindert und Champagne wird vor die Tür gesetzt.

Heute sagt er, er sei stolz darauf, damals gefeuert worden zu sein. Schließlich ermöglicht es ihm Kandidaturen für die FIFA-Präsidentschaft 2015 und 2016, die sich inhaltlich von den anderen Mitbewerbern deutlich unterscheiden.

Champagne tritt außerdem an, um der FIFA ein menschlicheres Antlitz zu verleihen. Denn das Image des Fußballweltverbands ist durch Spendenskandale und Stimmenkauf bei wichtigen Abstimmungen zurzeit der Suche nach einem neuen Präsidenten bereits deutlich in Mitleidenschaft gezogen.

Weiterlesen zu Champagnes Kandidatur 2015: https://www.jensweinreich.de/2014/01/20/ein-guter-alter-bekannter-will-fifa-praesident-und-nachfolger-seines-langjaehrigen-chefs-werden-jerome-champagne/

Verlauf der FIFA Wahl

Wer stand noch zur Wahl?

Neben Jérôme Champagne stehen drei weitere Kandidaten zur Wahl. Der südafrikanische Bewerber Tokyo Sexwale zieht kurz vor der Abstimmung am 26. Februar 2016 seine Bewerbung zurück. Dies sind die übrigen Bewerber um den Posten als FIFA-Präsidenten:

Prinz Ali bin al-Hussein

Zu den wichtigsten Zielen des jordanischen Bewerbers gehört die Einführung von Transparenzmaßnahmen, die beabsichtigte Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle sowie die Offenlegung der Finanzen. Außerdem soll Rechenschaftspflichten erhöht werden und ein besseres Funktionieren der Verwaltung garantiert werden. Dazu soll eine Integrationseinheit geschaffen und eine Aufsichtskommission eingeführt werden.

Es geht bei der Bewerbung darum Vertrauen und Glaubwürdigkeit der FIFA wiederherstellen. Dazu soll eine neue Führung, die die Organisation durchdringt, einen Kulturwandel vorantreiben. Diese Veränderung der Strukturen und Führung ist das zentrale Element von Ali bin al-Husseins Bewerbung.

Wie viele Teilnehmer sollen bei der WM spielen? Prinz Ali bin al-Hussein spricht sich für eine Erhöhung der Teilnehmerzahl aus. Die Zahl der Länder die auf höchsten Niveau spielen sei gestiegen und das müsse sich „beim großartigsten Wettbewerb der Welt widerspiegeln“, sagt der jordanische Funktionär.

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa ist ein bahrainischer Fußballfunktionär und als Präsident des asiatischen Kontinentalverbands (seit 2013) zugleich Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees. Bei seiner Bewerbung steht die Trennung des Geldes von der Führung des Fußballs im Mittelpunkt. Die Geldgewinnung soll an eine unabhängige Einheit ausgegliedert werden.

Weiterhin soll das marode System der FIFA durch einen stringenten, soliden Ansatz ersetzt werden, welcher Rechenschaft auf allen Ebenen möglich machen soll. Die bestehenden Strukturen sollen auf den Prüfstand kommen bei gleichzeitiger Erleichterung des Informationsflusses und Schaffung einer soliden und schlanken Managementstruktur.

Wie viele Teilnehmer sollen bei der WM spielen? Scheich Salman trifft im Vorfeld der Wahl keine Aussage über die Teilnehmerzahl bei einer WM. Eine Ablehnung der Ausweitung gibt er allerdings auch nicht ab. Änderungen am System mit 32 Mannschaften müssen mit den Clubs, Ligen, Verbänden und der FIFA abgestimmt werden.

Gianni Infantino

Der schweizerisch-italienische Fußballfunktionär Gianni Infantino verspricht bei der Bewerbung für die FIFA-Präsidentschaft strukturelle und kulturelle Reformen sowie eine verantwortungsbewusste Führung. Er will mehr Demokratie und Mitbestimmung in der FIFA schaffen. Die Mitgliedsverbände sollen mehr beteiligt werden und die Richtlinien der FIFA mit entwickeln können.

Ein weiteres Anliegen der Bewerbung Infantinos ist die Entwicklung des Fußballsports im Allgemeinen. Er macht sich stark für innovative Programme an der Basis beispielsweise durch Partnerschaften mit Schulen, beim Bau von Fußballplätzen und durch verbesserte Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern.

Wie viele Teilnehmer sollen bei der WM spielen? Infantino hat eine eindeutige Position beim Thema Teilnehmerzahl. Die WM soll von 32 auf 40 Teilnehmer ausgeweitet werden.

Außerdem solle die Möglichkeit geprüft werden, ob die WM auch in einer ganzen Region ausgetragen werden kann und nicht mehr in maximal zwei Ländern. Unter dem späteren Präsident Infantino wurde die FIFA WM 2026 erstmals an drei Ausrichter vergeben – an der Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, USA und Mexiko werden insgesamt 48 Mannschaften teilnehmen.

 

Der Wahlmodus

Die Wahl zum FIFA-Präsidenten findet am 26. Februar 2016 im Hallenstadion in Zürich statt. Am Morgen dieses Tages stehen noch fünf Kandidaten zur Wahl: Gianni Infantino (Schweiz), Scheich Salman bin Ebrahim Al-Khalifa (Bahrain), Tokyo Sexwale (Südafrika), Jérôme Champagne (Frankreich) und Prinz Ali bin Al-Hussein (Jordanien)-

Bei der Wahl sind 207 Verbände der FIFA stimmberechtigt. Die Wahl ist in mehrere Runden aufgeteilt. In der ersten Runde müsste der Sieger eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen, um als FIFA-Präsident gewählt zu werden – also 138 Stimmen der Verbände.

Ab dem zweiten Wahlgang ist die einfache Mehrheit von mindestens 50 Prozent ausreichend, um als Präsident gewählt zu werden – sollte kein Kandidat diese Mehrheit erhalten, scheidet der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus. Eine weitere Wahlrunde mit weniger Wahlmöglichkeiten wird abgehalten, so lange bis nur noch zwei Kandidaten übrig sind und einer mindestens die Hälfte der Stimmen erhält.

Die Stimmabgabe erfolgt in zwei Wahlkabinen. Die einzelnen Verbände werden in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen. Das Prozedere ist langwierig und die einzelnen Wahlrunden können bis zu zwei Stunden dauern.

Ein Protokoll in Form eines Online-Tickers zum gesamten Wahltag gibt es hier: https://www.zeit.de/sport/2016-02/fifa-wahl-zuerich-sepp-blatter-praesident

Ergebnis der Wahl

Das Ergebnis des ersten Wahlgangs steht am 26. Februar 2016 um 16:10 Uhr fest – zum ersten Mal seit 1974 wird dazu wieder ein zweiter Wahlgang benötigt. Denn keiner der Kandidaten kann in der ersten Runde die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit auf sich vereinigen. Stattdessen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Infantino und Scheich Salman ab. Überraschenderweise holt Gianni Infantino drei Stimmen mehr als der eigentlich favorisierte Scheich Salman.

Für Jérôme Champagne ist nach dem ersten Wahlgang bereits Schluss. Als Kandidat mit den wenigsten Stimmen darf er bei der zweiten Runde nicht mehr teilnehmen. Die Auszählung ergibt folgende Verteilung der Stimmen:

Gianni Infantino: 88 Stimmen
Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa: 85 Stimmen
Prinz Ali bin al-Hussein: 27 Stimmen
Jérôme Champagne: 7 Stimmen

Der zweite Wahlgang ist bereits um 17:45 Uhr beendet und führt überraschend schnell zum einer Entscheidung. Um 18:00 Uhr wird das Ergebnis verkündet:

Gianni Infantino: 115
Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa: 88
Prinz Ali bin al-Hussein: 4

Der neue FIFA-Präsident lautet also Gianni Infantino. Dies gilt zwar als Überraschung, aber als das kleinere Übel gegenüber dem favorisierten Scheich Salman.

Weiterhin wird auf dem Kongress im Vorfeld der Wahl eine wichtige Strukturreform der FIFA verabschiedet, die die Macht des Präsidenten beschneiden soll. Der gebürtige Bayreuther Markus Kattner ist seit 2007 stellvertretender Generalsekretär der FIFA und bezeichnet diese Reform als einen historischen Moment.

Wichtigkeit des Amtes FIFA-Präsident

 Aufgaben

Der FIFA-Präsident hat auf den ersten Blick eine ziemlich mächtige Position. Ein genauer Aufgabenkatalog, der über die Zuständigkeiten des Präsidenten aufklärt, ist allerdings nicht definiert. Die Aufgaben des Präsidenten ergeben sich vielmehr aus den zahlreichen Beschlüssen, die die FIFA in ihrer langen Geschichte seit 1904 auf den Weg gebracht hat.

Da es sich bei der FIFA um einen privaten Verband handelt, können die Aufgaben des Präsidenten relativ frei bestimmt werden. Die FIFA ist zudem in der Schweiz registriert, die ein recht liberales Vereins- und Verbandsrecht besitzt, was eine staatliche Kontrolle beispielsweise durch Politik oder Gericht erschwert.

Die FIFA hat zwei wichtige Gremien: den Kongress und den Rat. Bei beiden Gremien hat der Präsident den Vorsitz. Bis 2016 hat der Präsident außerdem weitreichende Machtbefugnisse und Managementkompetenzen. Diese werden allerdings auf einem FIFA-Kongress eingeschränkt, sodass die formale Rolle des Präsidenten der eines Aufsichtsratsvorsitzenden ähnelt.

Heutiger Status 2019 in der FIFA

Heutzutage hat der FIFA-Präsident keine Kontrolle mehr über das operative Geschäft. Diese Aufgaben werden vom Generalsekretär und verschiedenen weiteren Gremien erledigt. Dazu zählen unter anderem Ausschüsse, Kontinentalverbände (z.B. UEFA), Nationalverbände (z.B. DFB), sowie die Verwaltung, das Rechtswesen und der Disziplinarbereich.

Wichtig sind allerdings repräsentative Funktionen, die ein jeder Präsident auszufüllen hat. Mit dieser Repräsentationsfunktion sind Präsidenten sozusagen jene Personen einer Organisation, die in der Öffentlichkeit stehen und von dieser gern zur Verantwortung gezogen werden – manchmal auch bevor die Schuldfrage überhaupt geklärt ist.

Ein Präsident hat im Allgemeinen demnach eher eine leitende Funktion, aber nur wenig Einfluss auf das tatsächliche Geschehen innerhalb der Verwaltung, der er vorsteht. Wiederwahl Infantinos 2019

Auf der 69. FIFA-Vollversammlung in Paris am 5. Juni 2019 wird erneut eine Präsidentenwahl durchgeführt. Da es keinen Gegenkandidaten gibt, gilt die Wiederwahl bereits im Vorhinein als Formsache. Die meisten Verbände, darunter auch die europäischen Nationalverbände, erklärtn ihre kollektive Unterstützung für Gianni Infantino als FIFA-Präsident. Bei der Wahl wird Infantino im Amt bestätigt und für weitere vier Jahre wiedergewählt.

In seiner Eröffnungsrede vor der Wahl zieht Infantino Bilanz über seine erste Amtsperiode: „Die letzten drei Jahre und vier Monate waren sicherlich nicht perfekt, ich habe sicher Fehler gemacht. Ich habe versucht, mich zu verbessern, aber heute am Wahltag spricht keiner mehr über Krisen. Niemand spricht mehr von Skandalen, niemand spricht mehr von Korruption.“

Ein möglicher Grund für den haushohen Sieg bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten ist Infantinos Support für den Frauenfußball, der im Jahr 2019 ein weltweit gestiegenes Interesse zu verzeichnen hat. So verspricht Infantino unter anderem eine Aufstockung der Frauenfußball-WM von 24 auf 32 Länder

Was macht die FIFA?

Kritik an der FIFA

Um die gesamten Machenschaften, Deals und Prozesse der FIFA aufzuarbeiten, bräuchte man wohl gleich mehrere Wissenschaftler, Experten und Journalisten, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen. Dies scheitert wahrscheinlich allerdings ganz einfach an finanziellen, aber auch rechtlichen Einschränkungen.

Allerdings gibt es einige externe Akteure, die stetig daran arbeiten das System FIFA offenzulegen und transparenter zu machen. Die Einblicke in die Vorgänge im größten Weltkonzern FIFA gibt es bei diversen Publikationen, die allerdings immer von kleineren Rechercheteams erstellt wurden.

An der FIFA wird kritisiert, dass sie ihre Monopolstellung als einziger Weltverband ausnutzt. Einige Hauptkritikpunkte an der FIFA betreffen einen größeren Diskurs, dass die Welt von reichen Personen angeführt wird, die sich die Taschen noch voller schaufeln als sie sowieso schon sind. Das trifft natürlich nicht vorbehaltlos zu, weil solcherlei Dinge eben nur schwer nachzuweisen sind. In solchen Fällen ist allerdings zumindest die Heimlichtuerei der Funktionäre kritisierbar. Im Fall Sepp Blatter haben Ermittlungen zu dem Ergebnis geführt, dass einige Probleme ans Tageslicht getreten sind – beispielsweise, dass Gelder unterschlagen worden sind.

Ein interessanter Aspekt an den Umbrüchen 2015/16 ist, dass die unter anderem die Gegenkandidaten zum damaligen Präsident Sepp Blatter solche kritischen Stimmen bei FIFA-internen Vorgängen publik gemacht haben – vorher gab es nur Kritiker an der FIFA, aber wenige Kritiker bei der FIFA. Somit gestehen hochrangige FIFA-Funktionäre implizit ein, dass die Strukturen im Fußball-Weltverband auf irgendeine Art korrumpiert, intransparent und reformbedürftig sind.

Inwieweit sich daran seit der Wahl von Gianni Infantino etwas geändert hat, ist noch unklar. Sicher ist, dass seit der Wiederwahl neue FIFA-Statuten verabschiedet wurden, dass das Teilnehmerfeld der FIFA-Weltmeisterschaft erhöht wird und – wahrscheinlich der wichtigste Aspekt – weitere große Skandale rund um die FIFA ausgeblieben sind. Zumindest gibt es seitdem keine größeren öffentlichen Verlautbarungen in einschlägigen Medien über die dunkleren Machenschaften des Fußballverbands.

Aufgaben der FIFA

Die FIFA betreut ein globales Netzwerk auf mehreren Ebenen. Prinzipiell geht der Geltungsbereich von höchster Ebene, den FIFA-Weltmeisterschaften, bis hinunter zu dem kleinsten Dorfclub, der an den offiziellen Wettbewerben der regionalen Verbände teilnimmt. Zum Beispiel in Deutschland sind die Regionalverbände als Teil des Deutschen Fußball Verbands organisiert. Und der DFB wiederum ist ebenfalls ein Teil der FIFA-Struktur. Im Umkehrschluss gelten allgemeine Vorgaben für den Fußball, wie sie die FIFA definiert, auch für Mannschaft der Kreisliga. Die Nationalmannschaften sind in einer Weltrangliste sortiert.

Unter anderem macht sich die FIFA für eine weitere Fußballförderung auf allen Ebenen stark. Dazu werden Fördermittel an Projekte ausgeschüttet, Verbandsstrukturen ausgebaut oder Marketingrechte vergeben. Die Möglichkeiten des Weltverbands sind mannigfaltig und auch weitestgehend frei wählbar. Die FIFA schafft sich ihre Aufgaben selbst.

Entschlüsse der FIFA werden auf Ausschussebene gefasst, die von einem Exekutiv-Ausschuss ratifiziert werden. Es gibt unter anderem Ausschüsse für Ethik, Finanzen, Disziplinarmaßnahmen, Marketing, Medien, Sicherheit, Recht, Medizin und Schiedsrichter. Außerdem gibt es Ausschüsse für verschiedene Spielarten wie Beach-Soccer, Futsal sowie für die Wettbewerbe der FIFA. Deren Ausrichtung ist eine der wichtigsten Aufgaben der FIFA, die von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Es gibt folgende Ausschüsse für die verschiedenen Wettbewerbe:

– Organisationskommission für die FIFA Klub-Weltmeisterschaft
– Organisationskommission für den FIFA Konföderationen-Pokal
– Organisationskommission für die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft
– Organisationskommission für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft
– Organisationskommission für die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft
– Organisationskommission für die FIFA U-20-Weltmeisterschaft
– Organisationskommission für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft
– Organisationskommission für die Olympischen Fußballturniere

Viele Aufgaben der FIFA werden im Generalsekretariat in Zürich wahrgenommen. Dort sind 310 Mitarbeiter beschäftigt, die für die Verwaltung des Weltverbands zuständig sind. Hinzu kommt eine Vielzahl an Personen, Organisationen oder Institutionen, die direkt oder indirekt an den Aufgaben der FIFA beteiligt sind oder mitwirken.